Vom Grenzenüberschreiten

Rezension

In ihrem zweiten Kinderbuch erzählt Stephanie Hanel die
Geschichten von »Linn im Wald« und »Linn in den Ferien«.
Es geht um Abenteuer, die sich nicht auf den sieben Weltmeeren abspielen, sondern ganz plötzlich im Alltag, wie es im Nachwort heißt. Und das ist das Aufregende. Ein Garten voller Blumen, ein Fest mit vielen Gästen und das hintere Gartentor, das neugierig macht. Linn schlüpft hindurch, spaziert davon und verläuft sich prompt im Wald.

In der anderen Geschichte folgt Linn heimlich ihrem Vater, der im Urlaub fürs Frühstück einkaufen geht. Aber der Weg ist weiter als gedacht und im Dorf ist der Vater plötzlich verschwunden.

Wie findet Linn aus dem Wald heraus und was tut sie allein im Dorf, wo niemand ihre Sprache versteht?

In beiden Situationen könnte leicht die Angst übermächtig werden und den Blick auf den rettenden Ausweg verstellen. Doch Linn bleibt aufmerksam, trotz Herzklopfen und Zweifeln. Sie fasst Mut, vertraut ihrem Gespür – und bekommt Beistand. Wie das Mädchen ihre Grenzen überschreitet und sich zu helfen weiß, auch auf ungewohntem Terrain, das ist schön und einfach beschrieben. Es wird stimmig illustriert von Octavia Hanels feinen Schwarz-Weiß-Zeichnungen.

Die beiden Frauen, Mutter und Tochter, haben sich für dieses Buch etwa zwei Jahre Zeit genommen. Diese Gelassenheit merkt man dem Band an. So wurde aus einem kleinen »Geschichtenschatz« ein sorgfältig in Eigenregie editiertes Bilderbuch, das ich gerne empfehle.

Stephanie Hanel (Text), Octavia Hanel (Zeichnungen): Linns Abenteuer
Berlin: epubli GmbH, 2013, 40 S., 14,80 Euro, ISBN 978-3-8442-6116-5

Lesealter: ab 6

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