Fabulus-Verlag: Interview mit Tanja Höfliger

Über das Glück, Bücher zu machen

In der lebendigen Szene der Independents gibt es einen Neuzugang. Der Fabulus-Verlag wurde 2013 im württembergischen Fellbach gegründet. Aus dem aktuellen Programm habe ich zwei Bücher lektoriert, dabei konnte ich verfolgen, wie engagiert Tanja Höfliger als Verlegerin auftritt. Hier verrät sie etwas über ihre Motive und Ziele.

 

Strukturwandel und Digitalisierung – der Wandel in der Buchbranche hat Sie nicht davon abgeschreckt, einen Verlag zu gründen. Woher nehmen Sie Ihren Mut?

Bei dieser Entscheidung handelte es sich um eine Herzensangelegenheit. Natürlich schwingt eine gute Portion Idealismus bei unserer Arbeit mit, aber ich sehe die Herausforderungen der Branche als Ansporn, sie schrecken mich nicht. Es ist mir wichtig, für die Wertschätzung des gedruckten Buches zu kämpfen. Gleichzeitig stehe ich den Möglichkeiten der Digitalisierung positiv gegenüber.

Gab es ein Schlüsselerlebnis?

Seit etwa zehn Jahren besuche ich die Buchmessen in Frankfurt und Leipzig. Dort habe ich mich von Anfang an wie zu Hause gefühlt, wie angekommen. Die vielen einzelnen Begegnungen mit Büchern und mit Büchermenschen waren tatsächlich Schlüsselerlebnisse auf dem Weg zum eigenen Verlag. Dazu kam, dass mein heranwachsender Sohn ein unersättlicher Leser war. Dauernd suchte ich nach neuen Geschichten für ihn, aber die Auswahl an Büchern für Jungs fand ich ziemlich dürftig. Auch das verstärkte den Wunsch, selbst Bücher zu verlegen.

Was ist Ihr verlegerisches Programm?

Wir, das sind Eva Kirst und ich, lieben gut geschriebene Fantasygeschichten. Bücher, die den Blick öffnen für Zwischenwelten, magische Momente. Mit solchen Geschichten wollen wir zum einen Jugendliche und Kinder ansprechen und ins Reich der Fantasie einladen. Zum andern sind wir offen für Erwachsenenliteratur, die neue Spielräume eröffnet, etwa aus unserem aktuellen Programm Der Tanz der Häsin, wo es um eine Art Zeitreise geht. Ein weiteres Thema wird künstlerische Fotografie sein.

Neben dem Inhalt liegt uns auch die Gestaltung sehr am Herzen. Es soll Spaß machen, Fabulus-Bücher in die Hand zu nehmen, das Geräusch beim ersten Öffnen zu hören, wenn sich die Blätter vom Farbschnitt lösen, den Blick über die Seiten schweifen zu lassen!

Wie kamen Sie an Ihre ersten Manuskripte?

Über die Website des Fabulus-Verlags erreichten uns sehr schnell Manuskriptangebote von Autoren, darunter eines, das uns sofort ansprach. Das Buch ist inzwischen erschienen. Ansonsten gehen wir Empfehlungen nach und arbeiten mit Agenturen zusammen. Wir prüfen sehr genau und fischen nach Perlen. Bekanntlich mussten viele später berühmte Autoren mit ihren Erstlingswerken zunächst Absagen sammeln, bevor sie einen Verlag fanden. Auch Michael Ende mit Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer. Es lohnt sich also, genau hinzuschauen.

Nach welchen Kriterien wählen Sie aus?

Wir suchen nach dem Besonderen. Manchmal ist es eine Idee, die uns fasziniert. Manchmal die Sprache, in der sich der Autor bewegt und wohlfühlt. Fast immer beginnt das Interesse für ein Manuskript mit dem untrüglichen Gefühl, etwas Echtes und Authentisches zu lesen. Etwas, wofür die Autorin, der Autor mit dem eigenen Herzblut steht. Solche Bücher zu machen empfinde ich als pures Glück.

Wie finden Ihre Bücher ihr Publikum?

Natürlich wünsche ich mir, dass Buchhändlerinnen und Buchhändler auf den Fabulus-Verlag aufmerksam werden und sich für Titel aus unserem Programm begeistern. Wir freuen uns über jeden Kontakt und jede Anfrage, etwa nach Lesungen. Darüber hinaus sprechen wir auch die Leserinnen und Leser direkt an, zum Beispiel mit Leserunden bei LovelyBooks. Wir wollen unsere Bücher ins Gespräch bringen und die Freude am Lesen teilen.

Das Verlagssignet zeigt eine Figur, die über Buchstaben läuft. Ist das symbolisch zu verstehen?

Ja! Diese Figur bedeutet zweierlei: Wir bleiben in Bewegung und wir bewegen etwas.

Herzlichen Dank und viel Erfolg!

 

Mehr zum Thema:
www.folio-lektorat.de/blog_detail/items/unentbehrliche-ueberlebenskuenstler-die-independent-verlage-193.html

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