Seminarbericht: Texte fürs Museum

Vom Objekttext zum Sonett?

Welche Rolle spielen Texte in einer Ausstellung und wie erreichen sie am besten ihr Publikum? Diese Fragen standen im Mittelpunkt eines Seminars am Gymnasium Fränkische Schweiz in Ebermannstadt.

Hintergrund ist die Kooperation zwischen der Schule und dem Fränkische Schweiz-Museum Tüchersfeld, wo Ende des Jahres die Ausstellung »Spielzeug durch die Zeit« stattfinden soll. Der stellvertretende Museumsleiter Dr. Jens Kraus hat sich die Mitglieder der eigens gegründeten Museums-AG als Kuratoren geholt und gleich dafür gesorgt, dass die Schülerinnen und Schüler im Vorfeld entsprechend gecoacht werden. Neben der Textgestaltung gab es beim Projekttag am 16. April 2016 zwei Seminare zur grafischen Gestaltung und zur PR.

Samstag in der Schule. Acht der zweiundzwanzig AG-Mitglieder kümmern sich um die Texte. Die Dreizehn- bis Fünfzehnjährigen lassen ziemlich viel Theorie über sich ergehen. Wir fragen uns, wie Texte funktionieren, warum Lesen im Museum Nebensache ist und wie wir es schaffen, Wesentliches in drei Sekunden zu vermitteln. So lange verweilen Ausstellungsbesucher durchschnittlich vor Texttafeln.

Unser Ziel ist, dass die Besucher lesen, ohne es zu merken. Und nie den roten Faden verlieren.

Einige Schüler haben ihre Exponate mitgebracht. Als wir am Nachmittag die Regeln für anschauliches Schreiben auf Ausstellungstexte verschiedener Kategorien anwenden, zeigt sich: Je kürzer der Text, desto mehr Arbeit steckt drin.

Außerdem wird klar, dass sich Informationen bereits mit wenigen Tricks gut strukturieren lassen, etwa diesen:

• nicht mehr als 50 Zeichen pro Zeile
• keine Silbentrennung
• kein Blocksatz
• Absätze

Am Ende unseres Seminars haben wir ein einfaches Schema für Objekttexte und mehrere Muster, wie das Beispiel unten. Es ist kein Sonett. Aber es lehnt sich an den Aufbau dieser Gedichtform mit vier kurzen Strophen und zehn- bis dreizehnsilbigen Versen an. Weit hergeholt? Ganz und gar nicht. In puncto Lesefreundlichkeit setzt der Klassiker Maßstäbe, die sich auch auf Ausstellungstexte anwenden lassen.

Fazit: Ich habe selbst bei diesem Seminar etwas gelernt und freue mich schon auf die Ausstellung. Der Entwurf der Grafikgruppe für das Plakat ist jedenfalls sehr vielversprechend.

 

Holzpferd, Forchheim, 1946

Treuer Begleiter

Ein fünfjähriger Junge bekam das von
seinem Onkel selbst geschreinerte Pferd
zum Geburtstag. Unten waren seitlich
vier Rollen angebracht.

Fast 25 Jahre später schenkte er das Spielzeug
seiner kleinen Tochter. Es erhielt Sattel, Schweif
und eine weiße Lackierung.

Als die Besitzerin selbst erwachsen war, zog
das Holzpferd mit ihr um. Aus dem Schimmel
wurde ein schwarz geschecktes Westernpony.

 

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Zum Weiterlesen:

Evelyn Dawid/Robert Schlesinger (Hrsg.), Texte in Museen und Ausstellungen. Ein Praxisleitfaden, Bielefeld, 2. Aufl., 2012
Tanja Praske, www.tanjapraske.de/wissen/lehre/die-wichtigste-nebensache-texte-schreiben-fur-museen-und-ausstellungen

| (Kommentare: 2)

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Kommentar von Tanja Praske |

Liebe Marion Voigt,

vielen herzlichen Dank für die Verlinkung. Ja, texten für Ausstellungen ist, gut gemacht, schwierig, lohnt sich am Ende aber. Es freut mich sehr, dass das Seminar bereichernd war. Der Text vom Holzpferd ist sehr eingängig, weil eine Geschichte erzählt wird. Über Geschichten und die Bilder, die sie transportieren, wird Nachhaltigkeit erreicht.

Ich wünsche viel Erfolg für die Ausstellung!

Herzliche Grüße
Tanja Praske

Kommentar von Marion Voigt |

Liebe Tanja Praske, Danke, auch für die Anregungen, und herzliche Grüße! Marion

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