Ausgepackt: Buchkunst fürs Leben

Von Anfang an gut begleitet

»Ich wollte ein Buch gestalten und herstellen, bei dem das Innere mit dem Äußeren im Einklang steht«, sagt Kerstin Wacker, Verlegerin von Wacker und Freunde in Berlin. »Etwas Einzigartiges, genau wie das neue Leben, das auf die Welt gekommen ist.« Meine ersten Lebensjahre ist ein würdiges Zeugnis dafür. Und ein staunenswertes Beispiel für Buchkunst.

Wie sieht das im Detail aus?

Vor mir liegt eine Schatulle aus Birkenholz mit einem Deckel zum Schieben, darauf der Titel in Silber geprägt. Innen das Buch auf Holzwolle gebettet, eingeschlagen in Seidenpapier mit Schleife und Zertifikat.

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Über die stabile Buchdecke spannt sich Naturleinen. Für das Titelmotiv wurde ein eigener Prägestempel angefertigt. Er bringt unter hohem Druck Silberfolie auf den Bezugstoff auf.

Nach ein paar behutsamen Griffen halte ich den großformatigen Band in Händen, 34 x 30 cm. »Das ist ein sehr ungewöhnliches Format und eignet sich nur bedingt für den Digitaldruck«, sagt Kerstin Wacker. »Heenemann in Berlin ist eine der wenigen Druckereien, die damit arbeiten können. Zusammen haben wir dann ein wunderbares Papier gefunden. Das war gar nicht so einfach. Denn es sollte nicht nur schön aussehen, sich fest und trotzdem weich anfühlen, beschreib- und beklebbar sein, sondern auch ein Leben lang halten. Entschieden haben wir uns für ein edles ungestrichenes 250-g/m2-Papier von Metapaper in gebrochenem Weiß mit einer sanften Haptik.«

Der Buchblock besteht aus 92 Seiten und Zwischenblättern aus Pergaminpapier. Damit Fotos eingeklebt werden können, ohne dass das Buch seine Form verliert, sind im Bund zusätzlich Stege als Abstandshalter eingefügt.

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»Die größte Schwierigkeit war, eine Buchbinderei zu finden, die die ganze Auflage binden konnte. Nach langer Suche und mit viel Glück sind wir beim Don Bosco Jugend-Werk in Burgstädt gelandet. Eine überregionale Einrichtung der beruflichen und gesellschaftlichen Rehabilitation junger Menschen mit Behinderung. Hier wurden nun die bedruckten, gefalzten Bogen von den angehenden Buchbindern in Handarbeit fadengeheftet, Lage für Lage.« Kerstin Wacker zeigt auf das rot-weiße Kapitalband und ergänzt: »Der Rücken wurde abgeleimt, der Buchblock beschnitten, der Rücken mit dem Hammer geschlagen, sodass er sich rundete. Wieder abgeleimt, hinterklebt und verstärkt, damit ja die Form bestehen bleibt, wenn sich das Buch immer weiter füllt.«

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Zur Ausstattung passt das Farbkonzept in Pastell mit zarten und runden Illustrationen. Leere Seiten gibt es nicht. Kurze Texte und Bilder inspirieren und laden zum Schreiben, Malen und Kleben ein. Transparente Einstecktaschen, Pochettes, bieten Platz für die ersten Ultraschallbilder, für Glückwunschkarten und Haarlocken. Man fängt dort an, wo man will. Mittendrin beim »Speiseplan«, am Anfang bei »In den Bauch geschaut« oder am Ende: »Wer hat mir dieses Buch geschenkt«.

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»Dieses Buch hat eine lange Reise hinter sich und viele Menschen haben daran mitgearbeitet. Es bereitet mir große Freude zu sehen, wie Leser und Betrachter sich daran erfreuen. Das Design loben, die Verarbeitung bewundern, das Papier vorsichtig anfassen und sehen und spüren, dass Meine ersten Lebensjahre etwas Besonderes ist. Noch mehr freut es mich jedoch, wenn ich Bücher sehe, die bereits gefüllt sind mit Erinnerungen. Dann bin ich mindestens so stolz wie die Eltern des kleinen Erdenmenschen.«

Für mich als Lektorin gab es wenig zu tun bei diesem Werk. Umso neugieriger habe ich die Entstehung verfolgt und das Ergebnis finde ich ziemlich beeindruckend. Danke fürs Erklären und für die Fotos, liebe Kerstin Wacker!

 

files/folio/bilder/blog/17_05_Wacker/Kerstin_rund.jpgKerstin Wacker hat u. a. als Kostümassistentin für Filmproduktionen, Stylistin für Werbekampagnen, Modezeichnerin in Paris und Illustratorin für Magazine im In- und Ausland gearbeitet. Irgendwann hatte sie keine Lust mehr, die immer wiederkehrenden Mode-, Beauty- und Lifestylethemen zu illustrieren. Sie gründete den Verlag Wacker und Freunde.

Hier erschien 2014 die erste Ausgabe von Meine ersten Lebensjahre, dann folgte Herr Katz, Isolde und ich – oder wie macht man eigentlich ein Buch? (2015), ausgezeichnet mit dem EMYS-Sachbuchpreis 10/2015. Nach der komplett überarbeiteten Neuausgabe von Meine ersten Lebensjahre (2016) ist als zweites Kindersachbuch in Vorbereitung: Klappe, Cut, Hurra – oder wie macht man eigentlich einen Film?

 

www.wackerundfreunde.de, www.facebook.com/WACKER-und-FREUNDE
Zum Weitergucken: Meine ersten Lebensjahre _FERTIGUNG

 

MEINE ERSTEN LEBENSJAHRE
Tagebuch, Fotoalbum und Illustrationsband
Illustrationen Kerstin Wacker, Text Henrik Hitzbleck
92 S., durchgehend farbig, gedruckt auf feinstem 250-g/m2-Papier, Pergamin-Zwischenblätter, handgebunden, mit Lesebändchen
34 x 30 cm, Naturleinenbezug mit Prägung in Silber
verpackt in Holzschatulle mit Prägedruck in Silber
€ 128,50 (D)

Limitierte Auflage, 100 Exemplare, nummeriert und signiert, mit Zertifikat



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